Pfarrei Seliger Hermann Lange

Am 1. Januar 2018 wird es hier in Leer eine neue Pfarrei geben. Sie trägt den Titel: „Seliger Hermann Lange“. Innerhalb der Pfarrei wird es zwei Kirchen geben, die Kirche St. Michael in der Altstadt und die Kirche St. Marien in Leer-Loga.

Nachfolgend möchte ich den Weg hin zu dieser Entscheidung in groben Zügen rekapitulieren und dann beschreiben, wie es ab dem 01.01.2018 weitergeht, dies allerdings „nur“ unter struktureller Rücksicht. Was die Zusammenlegung spirituell und geistig bedeutet, bleibt immer wieder neu zu entdecken.


Wie es dazu kam:

Um auf die Zukunft vorbereitet zu sein, entwickelte sich aus den Zukunftsgesprächen unseres Bistums um die Jahrtausendwende ein Perspektivplan 2008. Hier wurde u.a. die künftigen Gemeindeverbünde bzw. Seelsorgeeinheiten – wie es damals hieß – in den Blick genommen. Man merkte bald, dass dieser Plan schneller als gedacht fortgeschrieben werde musste. So entstand der Perspektivplan 2015 bzw. 2018. Die Inhalte dieses Plans bilden die Perspektive, mit der wir seid 2008 unterwegs sind. Für unsere jetzige Pfarreiengemeinschaft, bestehend aus 4 Pfarreien, sah der Plan vor, dass wir alle 4 zusammen eine große neue Pfarrei werden, mit dann etwa 7500 Katholiken. Das zumindest war die Perspektive, mit der wir seid 2008 unterwegs waren.

Im Hinblick auf diese Perspektive hat z.B. mein Vorgänger in der alten Pfarreiengemeinschaft, Pfarrer Ralf Schlegel, damals den großen Pfarrgemeinderat ins Leben gerufen. Der Pfarrgemeinderat von St. Marien schloß sich dann 2014 mit dem Ruhestand von Pfarrer Gerd Stuller diesem großen Pfarrgemeinderat an.

Auch 2010 hatte diese Perspektive noch ihre Gültigkeit. Damals machte man sich Gedanken über die Renovierung der Kirche St. Michael. Eine der vielen Fragen war, mit welcher Perspektive die Kirche überhaupt in ihre Zukunft ging. Dann kam im Juni 2010 ein Brief des Generalvikars Theo Paul, in dem uns mitgeteilt wurde, dass die Kirche St. Michael in der neu zu errichtenden Pfarrei sowohl Pfarrersitz als auch Pfarrkirche werden sollte. Diese Entscheidung wurde allen 4 Pfarreien in den Vermeldungen am 20. Juni 2010 mitgeteilt.

In den Folgejahren vollzog sich aber dann in der Bistumsleitung und beim Bischof ein Perspektivwandel. Es wurde erkannt und anerkannt, dass eine Pfarrei nur wirklich dann sinnstiftende Gemeinde sein kann, wenn Sie auch vor Ort präsent bleibt. Man begann, die Sinnhaftigkeit der geplanten Groß-Pfarreien neu zu überdenken. Hierbei wurden auch die Gemeinden vor Ort eingeladen, ein Votum mit ihrer Meinung abzugeben. Die damals aktive Steuerungsgruppe mit Delegierten aus allen vier Gemeinden hat den Pfarrgemeinderäten und den vier Kirchenvorständen ein Votum vorgeschlagen, welches dann einstimmig beschlossen und von Gerd Stuller und mir signiert nach Osnabrück geschickt wurde. Dieses Votum sah vor, es bei den vier Pfarreien unserer derzeitigen Pfarreiengemeinschaft zu belassen.

Bei einer Informationsveranstaltung am 25.6.2014 wurde unserer Pfarreiengemeinschaft dann mitgeteilt, dass die Pfarreien Weener und Oldersum tatsächlich eigenständige Pfarreien bleiben und dass die beiden Pfarreien St. Michael und St. Marien zu einer neuen Pfarrei zusammengelegt werden.

In einem Brief vom 18. Januar 2016 teilte der Bischof uns dann mit, dass er das Anliegen, die neu zu errichtende Pfarrei „Seliger Hermann Lange“ zu nennen, mitträgt, unterstützt und befürwortet.

Ein Dekret des Bischofs mit der Aufhebung der beiden Pfarreien St. Michael und St. Marien, bei gleichzeitiger Neugründung der Pfarrei „Seliger Hermann Lange“ liegt derzeit (Stand: September 2017) der Landesregierung in Hannover vor. Das Konkordat sieht vor, dass die Errichtung neuer Pfarreien mit der jeweiligen Landesregierung abgestimmt werden muss. Wenn das soweit ist, wird uns das Dekret offiziell zugestellt. Es wird dann zum 1. Januar 2018 wirksam.


Wie es weiter geht…

…in den Kirchenvorständen:

Rechtsnachfolger der Pfarreien St. Michael und St. Marien ist in allen Belangen die Pfarrei „Seliger Hermann Lange“. Das bedeutet, dass sich zum 1. Januar die Kirchenvorstände St. Michael und St. Marien auflösen. Gleichzeitig tritt der neue Verwaltungsrat der Pfarrei „Seliger Hermann Lange“ in Kraft. Die Mitglieder der beiden aufgelösten Kirchenvorstände werden per Urkunde vom Bischof in den Verwaltungsausschuss berufen. Der Verwaltungsausschuss der Pfarrei „Seliger Hermann Lange“ besteht dann also aus den Mitgliedern der beiden Kirchenvorstände St. Michael und St. Marien. Vorsitzender des Verwaltungsausschusses ist der Pfarrer, also ich, zumindest bis zur konstituierenden Sitzung. Dort wird dann ein neuer Vorsitzender bestimmt werden. Der Verwaltungsausschuss besteht bis zu den Gremienwahlen, die am 11. November 2018 anstehen. Mit dieser Wahl wird dann auch der Kirchenvorstand der Pfarrei „Seliger Hermann Lange“ gewählt werden.

…im Pfarrgemeinderat:

Bislang haben wir ja noch den einen großen Pfarrgemeinderat unserer Pfarreiengemeinschaft mit den jeweils 4 sogenannten Ortsausschüssen. Die beiden Ortsausschüsse von St. Michael und St. Marien werden dann in dem Pastoralrat „Seliger Hermann Lange“ zusammen gefaßt. Dieser Pastoralrat wird (so wie der Verwaltungsausschuss) bis zu den Gremienwahlen am 11. November 2018 bestehen.

Und jetzt hat der Pfarrgemeinderat auf seiner letzten Pfarrgemeinderatssitzung etwas zukunftsträchtiges beschlossen: Mit der nächsten Wahl im November 2018 wird sich der große Pfarrgemeinderat aller dann drei Pfarreien unserer Pfarreiengemeinschaft wieder auflösen! Hintergrund ist der, dass damals der große Pfarrgemeinderat gegründet worden ist, weil die Perspektive im Raum stand, dass wir eine Groß-Pfarrei werden. Da dies jetzt nicht mehr so kommen wird, weil unsere Pfarreiengemeinschaft in Zukunft ja langfristig aus den drei Pfarreien „Seliger Hermann Lange“, St. Joseph Weener und Mariä Himmelfahrt Moormerland bestehen wird, passen wir den Pfarrgemeinderat dieser abgeschlossenen Strukturreform an. Konkret bedeutet dies: Mit der nächsten Wahl wird es für die drei Pfarreien der Pfarreiengemeinschaft wieder drei eigenständige Pfarrgemeinderäte geben.

Für die überpfarrliche Zusammenarbeit dieser drei Pfarrgemeinderäte wird dann ein Kooperationsrat eingeführt, der aus Delegierten der jeweiligen Pfarrgemeinderäte besteht.

Insgesamt gibt es noch ganz viel zu besprechen und zu überlegen. Und bei all den strukturellen Fragen und Antworten stehen dann ja auch noch viel drängender die wichtigeren Fragen im Raum: Wie kann unser Glaube wachsen und reifen? Wie feiern wir einladend, lebensfroh und lebensnah immer wieder neu die uns zuteilgewordene Erlösung durch Jesus Christus? Wie geben wir ihm mehr und mehr Raum in unseren Pfarreien und in dem Leben jedes einzelnen ganz persönlich? Diese viel wichtigeren Fragen werden uns auch weiterhin beschäftigen.


Mit diesem Beitrag ging es allerdings „nur“ darum, ausführlich über die anstehenden Strukturveränderungen zu informieren. So wie es jetzt aussieht, wollen wir die Gründung der neuen Pfarrei „Seliger Hermann Lange“ in dem Gottesdienst am Sonntag, den 14. Januar 2018, in St. Michael begehen.

Dr. Andreas Robben, Pfarrer